Reverse Engineering Digital Methods. Workshop, 12./13. Juni 2014 (only in german)

Marcus Burkhardt —  May 15, 2014 — Leave a comment

Reverse Engineering Digital Methods2. Workshop der AG Daten und Netzwerke

Centre for Digital Cultures
Leuphana Universität Lüneburg
Sülztorstr. 21-25 (Post)

Mit der jüngsten Konjunktur der Digital Humanities und der damit einhergehenden methodologischen, heuristischen und förderpolitischen Neuorientierung scheinen die Geistes- und Kulturwissenschaften nun endgültig im digitalen Zeitalter angekommen zu sein. Dabei sind die Konturen des „digitalen” Forschungsparadigmas noch weithin unscharf. Dies stellt auch für die Medienwissenschaften eine Herausforderung dar, die sich an der Schnittstelle von Geistes- und Kulturwissenschaften einerseits und Sozialwissenschaften andererseits mit der Frage konfrontiert sehen: Welche neuen Wege der Forschung können mit digitalen Medien beschritten werden und welche neuen Erkenntnisse zu Tage gefördert? Aber auch: Welche neuen Kompetenzen müssen Medienwissenschaftler_innen erwerben, um digital forschend tätig zu sein? Zugleich drängt sich die Frage nach der medialen Bedingtheit des digitalen Forschungsparadigmas auf: Auf welche Weise strukturieren technische Infrastrukturen und digitale Forschungspraktiken das Wissen, welches aus ihnen hervorgeht?

Beide Fragekomplexe sollen im Rahmen des zweiten Workshops der AG Daten und Netzwerke bearbeitet werden. Unter dem Titel „Reverse Engineering Digital Methods” knüpft der diesjährige Workshop an die im letzten Jahr theoretisch aufgeworfene Frage „Was ist Datenkritik?” praktisch an. In zwei Workshops werden unterschiedliche Aspekte und Dimensionen des Forschens mit digitalen Medien anhand konkreter Beispiele beleuchtet. Reverse Engineering wird dabei als Strategie verstanden, die sowohl der theoretischen Aneignung als auch der praktischen Intervention dienen kann.

Programm

Donnerstag, 12. Juni 2014

12:00-16:00

Workshop: „Detecting the Socials? How digital research assembles social life” (Carolin Gerlitz)

16.30-17.30

Diskussion des Konzeptpapiers zu Digital Humanities / Berichte aus der AG Daten und Netzwerke

18:00-19:30

Vortrag: „Mit Stift und Papier in digitalen Welten? Digital Methods und qualitative Sozialforschung“ (Jan-Hendrik Passoth)

20:00

Gemeinsames Abendessen


Freitag, 13. Juni 2014

09:30-13:30

Workshop: „Pfade, Informanten und Informate. Zur Aggregation, Visualisierung und Analyse von Plattform-Daten“ (Johannes Paßmann und Cornelius Schubert)

15:00-16:30

Vortrag: „Adaption | Arrangement | Artikulation“ (Martin Gasteiner)

17:00-18:00

Abschlussdiskussion

Im ersten Workshop „Detecting the Socials? How digital research assembles social life” fragt Carolin Gerlitz (Amsterdam) was eigentlich „sozial” an sozialen Medien ist. Wie werden Sozialitäten hergestellt und wie könnten sie empirisch erforscht werden? Ausgehend von der Perspektive, dass Sozialität nicht etwas Gegebenes ist, sondern immer wieder spezifisch hergestellt werden muss, betrachtet der Workshop digitale Forschungsmethoden, die versuchen eben jene spezifische Sozialität zu erfassen. Am Beispiel von Twitter erkunden wir verbreitete Metrics in der Twitterforschung (Hashtags, @replies, Aktivität, URLs, Bots, Zugangsmedien) und befragen, welche Formen von Sozialiät sie erfassen oder gar mit herstellen. Dabei arbeiten wir dem mit dem Twitter Analytics and Capture System, entwickelt von der Digital Methods Iniative Amsterdam https://wiki.digitalmethods.net/Dmi/ToolDmiTcat. Neben der Arbeit mit Medium und Methoden steht dabei die Frage im Vordergrund, inwiefern unsere Ergebnisse Einblicke in soziale oder mediale Dynamiken erlauben, ob diese überhaupt differenzierbar sind und welche Formen von Sozialität unterschiedliche frequenzbasierte, relationale, kontextuelle oder textbasierte Metrics sichtbar machen.

Im Fokus des zweiten von Johannes Paßmann und Cornelius Schubert (Siegen) durchgeführten Workshops „Pfade, Informanten und Informate. Zur Aggregation, Visualisierung und Analyse von Plattform-Daten” stehen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen der sozialen, epistemologischen und methodologischen Ebene. Ein Blick auf die Geschichte der Statistik (MacKenzie) soll zunächst abstrakt für das Thema sensibilisieren. Hier geht es um die Art und Weise, wie Quantifizierung und Visualisierung des Sozialen zu Herrschaftsinstrumenten werden und dazu dienen, gesellschaftliche Realität herzustellen (Performativitätsargument). Als konkretes Arbeitsmaterial stehen zwei Twitter-Datensätze zur Verfügung, die anhand verschiedener Analyse-Tools am Rechner bearbeitet werden sollen. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit die Kombination von Datensätzen und Auswertungsalgorithmen pfadabhängige Ergebnisse liefert – inwieweit also das Endergebnis von unterschiedlichen Arten der Anfangsberechnung abhängen. Dann thematisieren wir die Validierungsstrategien zwischen Phänomen und Berechnung: Welches Wissen muss man haben, um die Berechnungen interpretieren zu können. Welche epistemologischen Annahmen oder Orientierungen sind diesen Verfahren explizit oder implizit eingeschriebe? Auf Basis der konkreten Arbeit am Material gehen wir schließlich der Frage nach, welchen Einfluss die Reflexivität des Sozialen auf die Analysen respektive Auswertungsverfahren hat. Inwiefern besteht die Gefahr, dass „knowledgeable actors“ hier potemkinsche Dörfer für Sozial- und Geisteswissenschaftler_innen erschaffen?

Eingerahmt werden die Workshops mit Vorträgen von Jan-Hendrik Passoth (Berlin/Siegen) zu „Mit Stift und Papier in digitalen Welten? Digital Methods und qualitative Sozialforschung“ und Martin Gasteiner (Wien) zu „Adaption  |  Arrangement  |  Artikulation“.

Die für jede/n offene AG Daten und Netzwerke ist Teil der Gesellschaft für Medienwissenschaft. Der Workshop wird von Marcus Burkhardt, Ramón Reichert und Theo Röhle organisiert und in Kooperation mit dem Hybrid Publishing Lab und dem Digital Cultures Research Lab am Centre for Digital Cultures (Sülztorstr. 21-25, Lüneburg) durchgeführt. Die Teilnehmerzahl des Workshops ist auf 25 begrenzt. Daher wird um eine Anmeldung via Email gebeten.

Beginn: 12. Juni 2014, 12 Uhr
Ende: 13. Juni 2014, 18 Uhr
Ort: Centre for Digital Cultures, Sülztorstr. 21-25 (Post), Lüneburg
Kontakt: marcus.burkhardt@leuphana.de | t.roehle@hbk-bs.de

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